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Der Mensch wird ersetzt… oder doch nicht?

Digitalisierung, Big Data und künstliche Intelligenz treiben Automatisierung in alle Branchen und Berufe. Roboter und Automatisierungen entwickeln sich zu den zentralen Erfolgsfaktoren.

Digitalisierung, Digitalisierung, Digitalisierung. Es ist das Schlagwort der gegenwärtigen Wirtschaftswelt. Unternehmen aus nahezu allen Branchen und Industrien investieren massiv in die digitale Transformation entlang ihrer Wertschöpfungskette. Hinter der Entwicklung steht die Zielsetzung vieler Unternehmen, durch die Automatisierung von Arbeitsprozessen und Tätigkeiten die Effizienz zu steigern, Kosten zu senken und gleichzeitig das Kundenerlebnis zu verbessern und den Absatz zu erhöhen.

Die rasante technologische Entwicklung in der Automatisierung, die durch künstlich intelligente Software ermöglicht wird, greift jedoch nicht nur in fast alle Branchen und Berufe ein, sondern in alle Lebensbereiche der Menschen. Der Wirtschaftswissenschaftler und Gründer des World Economic Forum (WEF), Klaus Schwab, spricht hierbei von der vierten industriellen Revolution:

«The Fourth Industrial Revolution is characterized by a range of new technologies that are fusing the physical, digital and biological worlds, impacting all disciplines, economies and industries, and even challenging ideas about what it means to be human.»

Klaus Schwab

Die massiven Umwälzungen von der analogen hin in die digitale Arbeitswelt birgt für Unternehmen zahlreiche Chancen, etwa in der Entwicklung von neuen Geschäftsfeldern und Geschäftsmodellen. Doch die vierte industrielle Revolution, oder «Industrie 4.0» genannt, löst auch Unsicherheiten aus.

Job-Killer Automatisierung

«Werden wir alle arbeitslos?» oder «Wohin mit den Millionen von Taxifahrern?» fragen sich nicht nur Wirtschaftsjournalisten und plädieren für «lebenslange Bildung» als Schutzfaktor vor einem Jobverlust durch Automatisierung. Die rasante technische Entwicklung macht immer deutlicher, dass nicht nur Arbeitnehmer in der Produktion oder im Niedriglohnbereich von Veränderungen betroffen sind oder sein werden (Ustorf, 2017). Auf Basis einer Umfrage in 46 Ländern kommt das McKinsey Global Institute zum Schluss, dass bei 60 Prozent aller Jobs weltweit mindestens 30 Prozent der Aufgaben automatisiert werden können (Manyika, 2017).

Ob durch Automatisierung tatsächlich die Roboter das Steuer übernehmen, ist umstritten. Einige Experten schätzen, dass durch die Automatisierung Jobs nicht wegfallen, sondern neu definiert werden (Michael Chui, McKinsey, 2015). In Europa sind im letzten Jahrzehnt beispielsweise rund 1.6 Millionen Jobs aufgrund der Automatisierung weggefallen – jedoch sind in dieser Zeit doppelt so viele neu entstanden (Hagelüken, 2019).

«What jobs will disappear?» fragt auch das WEF und fasst im nachfolgenden Video die Stimmen einiger Experten zusammen. Sie kommen zum Schluss: zu keinem Zeitpunkt der Geschichte verlief die Automatisierung so rasant wie heute. Yufal Noah Harari ist der Meinung, dass Jobs nicht nur verschwinden, sondern auch neue Jobs entstehen werden. Die grosse Frage sei aber «whether people will be able to reinvent themselves to fill these jobs.» Aber was, wenn sie es nicht tun können? «Dann müssen Regierungen handeln und den Menschen helfen, um den sozialen Ausgleich und eine gesellschaftliche Stabilität zu gewährleisten», kommen einige Experten zum Schluss.

Daten sind das neue «Öl der Wirtschaft»

Hinter dieser rasanten Entwicklung hin zu mehr Automatisierung ist Big Data eine der treibenden Kräfte. Menschen, Unternehmen, Organisationen, Online-Plattformen, aber auch Maschinen, Social Bots und selbst Alltagsgegenstände wie z. B. digital vernetzte Kühlschränke oder Waschmaschinen hinterlassen heute riesige Mengen an Daten. Gemäss Forbes waren es 2018 rund 2.5 Trillionen Bytes an Daten, die täglich neu kreiert wurden (Marr, 2018).

Gleichzeitig steht heute auch genügend Rechenleistung zur Verfügung, um aus diesen riesigen Datenmengen Mehrwerte zu generieren (Bünte, 2018). Mittels Data Mining, Machine Learning basierend auf künstlicher Intelligenz (KI) können Daten automatisiert analysiert und Erkenntnisse daraus gewonnen werden (Weiner et al., 2016). Je mehr Daten vorhanden sind, desto präziser und potentiell wertvoller sind die Ergebnisse (Buxmann et al., 2019). Unternehmen können sich durch diese sogenannten Big Data Analytics Wettbewerbsvorteile verschaffen, beispielsweise indem sie ihre Prozesse automatisch steuern oder indem sie exklusive Informationen über Kunden, Branchen, konkurrierende Unternehmen, Medien oder die Öffentlichkeit gewinnen (Weiner et al., 2016).

«Data is the oil of the information economy», stellen Mayer-Schönberger und Cukier (2013) fest. Algorithmen können Daten jedoch nicht nur automatisiert analysieren, sondern diese auch hochwertig weiterverarbeiten, beispielsweise in Textform. Durch Natural Language Processing (NLP) werden aus Daten fertige Texte generiert. Heutige Anwendungsfelder dieser Technologie sind beispielsweise Nachrichtentexte über Sportereignisse oder Wirtschaftstexte auf Plattformen wie Yahoo oder Reuters.

Wo sind die Grenzen der Automatisierung?

Heute lässt sich kaum erahnen, wie schnell Prozesse in Unternehmen automatisiert werden könnnen, Jobs verschwinden oder neue Jobs im Zuge der Digitalisierung entstehen. Ich persönlich bin überzeugt, dass in wenigen Jahren selbst komplexe Tätigkeiten und Prozesse automatisiert werden können. Spätestens dann wird auch in der Unternehmenskommunikation Automatisierung im grossen Stil Einzug halten. Beispielsweise in der Kundenkommunikation, im Publishing, in der Beatwortung von Anfragen, in der Texterstellung, in der Individualisierung und Personalisierung der Kommunikation und natürlich und ganz spezifisch im Echtzeit-Monitoring der Kommunikationskanäle. Das beduetet: Mitarbeitende der Unternehmenskommunikation müssen ihr technischers Know-how erweitertn, um mit Themen wie Big Data und künstlicher Intelligenz umgehen zu können. Ganz verschwinden werden die Menschen im Berufsleben aber (vermutlich) nicht – auch nicht in der Unternehmenskommunikation.

Quellen

  • Bünte, C. (2018). Künstliche Intelligenz – die Zukunft des Marketing. Wiesbaden: Springer Gabler
  • Weiner, M. & Kochhar, S. (2016). Irreversible: The Public Relations Big Data Revolution. Gainesville: IPR Measurement Commission
  • Buxmann, P. & Schmidt, H. (2019). Künstliche Intelligenz. Berlin: Springer Gabler
  • Mayer-Schonberger, V. & Cukier, K. (2013). Big Data: A Revolution That Will Transform How We Live, Work, and Think. New York: Houghton Mifflin Harcourt

Von Pascal Künzli

Aus Zürich, schreibt über Automatisierung, Unternehmenskommunikation, PR und Branding.

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